Wenn Thomas “größer wie” sein Bruder ist. Regionale Variation im Satzbau

Dass das Deutsche regio­nal­sprach­li­che Variation aufweist, wissen viele: Was dem Berliner die Schrippen sind, heißt in Bayern Semmel und in Schwaben Weck. Auch Unter­schie­de im lautli­chen Bereich sind Ihnen wahrschein­lich mehr oder weniger bekannt. Heißt es beispiels­wei­se in Bayern I hob, so findet man in Norddeutsch­land Ik heff, Ik hewwe und dazwi­schen, im Mittel­hes­si­schen, Aich hon, Ech hu und Äich ho. Doch wie steht es um den Satzbau? Tradi­tio­nell wurde er bei der Frage nach dialek­ta­len Unter­schie­den eher stief­müt­ter­lich behandelt. Aber gibt es hier vergleich­ba­re regionale Unter­schie­de? Diese Frage wird gerade am Forschungs­zen­trum Deutscher Sprach­at­las erforscht. 

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Phonemzusammenfall von altdeutschen und frühneuhochdeutschen Diphthongen in hessischen Dialekten?

Eine der wichtigs­ten Lautent­wick­lun­gen in der Sprach­ge­schich­te des Deutschen ist der Zusam­men­fall der Altdi­phthon­ge mhd. ei-öu-ou mit denen aus î‑iu‑û neu entstan­de­nen Diphthon­gen ai-oi-au (= frühneu­hoch­deut­sche Diphthon­gie­rung). Nach bishe­ri­ger Auffas­sung erfolgte dieser Zusam­men­fall jedoch nur in der Schrift, der Standard­spra­che und den meisten Regio­lek­ten – in älteren Sprach­stu­fen und fast allen Dialekten werden die „alten“ und „neuen“ Diphthon­ge bis heute unter­schie­den. Wie es in der neuhoch­deut­schen Schrift­spra­che und der Standard­spra­che zum Zusam­men­fall gekommen sein soll, ist gewis­ser­ma­ßen ein Rätsel. Das soll an zwei entge­gen­ge­setz­ten Meinungen zu den Ursprün­gen des frühneu­hoch­deut­schen Phonem­zu­sam­men­falls verdeut­licht werden. 

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Das Hessen-Nassauische Wörterbuch

Das Hessen-Nassauische Wörter­buch gehört zu den großland­schaft­li­chen Dialekt­wör­ter­bü­chern, die im vorigen Jahrhun­dert einge­rich­tet wurden, um den mundart­li­chen Wortschatz einer Region zu sammeln und in Form eines Wörter­buchs zu beschrei­ben. Durch die zuneh­men­de Indus­tria­li­sie­rung zeichnete sich ein tiefgrei­fen­der Wandel in der Gesell­schaft ab. So starben alte Handwerks­be­ru­fe wie die Hauswe­be­rei durch den Einsatz von Maschinen ganz aus und damit verbunden auch der Fachwort­schatz dieser Handwer­ker. Seit 1914 verschick­te die Kanzlei des Hessen-Nassauischen Wörter­buchs in Marburg Frage­bo­gen, um gezielt Wortma­te­ri­al für das Wörter­buch zu erheben. 

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„Wie heißt du und wie nennst du dich?“ – Hausnamen in Mittelhessen

Katasterkarte von Großseelheim, um 1755 (aus Block et al. 2016)

Was sind Hausnamen?

In vielen Regionen Deutsch­lands gibt es auf dem Dorf ganz besondere Namen: die Hausnamen (auch Dorfnamen oder Hofnamen genannt). Will man über einen Bekannten aus dem Dorf sprechen, so bezeich­net man ihn nicht mit dem Famili­en­na­men (Müller, Wolf, Schultz), sondern mit dem sogenann­ten Hausnamen (Zellersch, Wisskeb­jes, Buchben­nersch). So könnte jemand, der Heinrich Dörr heißt, im Dorf Verwäl­täsch Hein genannt werden. Man unter­schei­det also, wie man heißt (Vorname), wie man sich nennt (Hausname) und wie man sich schreibt (Famili­en­na­me). Kennt man den Hausnamen, weiß man zugleich, wo jemand wohnt und zu welcher Familie die Person gehört. Während die offizi­el­len Famili­en­na­men im Perso­nal­aus­weis stehen, sind die Hausnamen inoffi­zi­ell und werden nur in der mündli­chen Kommu­ni­ka­ti­on in der Dorfge­mein­schaft verwendet.

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Die Anfänge der Sprachkartographie

Fast 50.000 handge­schrie­be­ne Formulare mit Dialekt­über­set­zun­gen auf dem Schreib­tisch, aus denen ein Sprach­at­las entstehen soll. Wie lässt sich eine solche Masse an Material auswerten und kartieren zu einer Zeit als es noch keinen Computer gab? Im folgenden Video können Sie in einer Animation sehen, wie Georg Wenker diese Mammut­auf­ga­be bewäl­tig­te und der “Sprach­at­las des Deutschen Reichs” entstand.

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Zum Zusammenhang von Sprechtempo und Ausspracheverschleifungen im deutschen Sprachraum

Die Berliner/innen sprechen alle schnell, die Schweizer/innen langsam (und die Berner/innen erst!!). In Hannover spricht man klar und deutlich, in Sachsen wird genuschelt und die Norddeut­schen (vonne waterkant) sind eben sehr einsilbig. Solche und weitere subjek­ti­ve Alltags­theo­rien bestehen zuhauf und sind immer wieder Grundlage für (regio­nal­sprach­li­che) Abgren­zungs­ver­su­che zu den „Anderen“. Oft wird dabei auch auf gängige (oder manchmal sogar nur ad hoc gebildete?) Stereo­ty­pe zurück­ge­grif­fen, bei denen diese Anders­ar­tig­keit der Anderen auf ihre spezielle Art zu sprechen zurück­ge­führt werden soll. Aber stimmen solche Annahmen? Gibt es überhaupt Regionen, in denen nachweis­lich schneller oder langsamer gespro­chen wird? Und gibt es wirklich Regionen, in denen die Leute stärker „nuscheln“ und verschlif­fe­ner sprechen als andere? Und müsste das dann nicht auch zusam­men­hän­gen, müssten nicht die Schnellsprecher/innen auch automa­tisch verschlif­fe­ner sprechen?

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Doing Morphosemantic Analyses in Farsi WordNets

This article presents a morpho­lo­gi­cal analysis of 3500 Persian derived nouns (i.e. the Farsi language) combined with their semantic inter­pre­ta­ti­on. These nouns are documen­ted in the computer system FarsNet offering a compu­ta­tio­nal codifi­ca­ti­on (so called wordnets) that specifies morpho­lo­gi­cal relations between classes of derived nouns and their bases. A compre­hen­si­ve and detailed descrip­ti­on of the relevant lingu­i­stic levels is a prere­qui­si­te for achieving progress in natural language proces­sing (NLP).

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Das Kaschubische in nicht kartierten Wenker-Materialien

Der histo­ri­sche „Sprach­at­las des Deutschen Reichs“ von Georg Wenker (1889–1923) ist bis heute die umfas­sends­te Darstel­lung der Sprach­ver­hält­nis­se innerhalb der Grenzen eines Landes. Neben den deutschen Dialekten dokumen­tiert er die Varie­tä­ten anderer Sprachen, die im damaligen Deutschen Reich gespro­chen wurden, darunter des Franzö­si­schen, des Kaschu­bi­schen, des Polni­schen, des Tsche­chi­schen und des Litaui­schen. Entspre­chend der Absicht, die sprach­li­che Variation im Deutschen Reich zu dokumen­tie­ren, sind zwar neben den deutschen Dialekten auch die Fremd­spra­chen des Staats­ge­bie­tes syste­ma­tisch kartiert, jedoch sind die Fremd­spra­chen auf den Karten des „Sprach­at­las des Deutschen Reichs“ und auch in den Karten­kom­men­ta­ren (Wenker 2013) nicht immer vollum­fäng­lich erfasst. Dies gilt unter anderem für das Kaschu­bi­sche, dessen älteste flächen­de­cken­de Dokumen­ta­ti­on um 1879/80 und 1887 in den von Wenker verschick­ten Frage­bö­gen erfolgte. 

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Wo kommt die/der denn her? Vom Nutzen von Dialektkarten für das Speaker Profiling

Sie fragen sich vielleicht auch immer einmal wieder, aus welcher Region in Deutsch­land eine Ihnen unbekann­te Person, die Sie beispiels­wei­se im Fernver­kehrs­zug haben sprechen hören, wohl stammen könnte. Oder Sie haben eine Idee, woher die Person stammt, sind sich aber nicht sicher und würden Ihre Idee gern überprü­fen. Bei der Bestim­mung der Herkunft einer unbekann­ten Person handelt es sich zwar nicht um eine Kerndis­zi­plin innerhalb der Sprach­wis­sen­schaft, sie bildet aber einen mitunter wichtigen Teil der anwen­dungs­be­zo­ge­nen „foren­si­schen Sprecher­er­ken­nung“ bzw., wenn es vor allem um lautsprach­li­che Aspekte geht, der „foren­si­schen Phonetik“. 

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In den Ursprüngen der menschlichen Kommunikation

Die Intona­ti­ons­mus­ter von hm, und ne sind echte sprach­li­che Univer­sa­li­en – und mögli­cher­wei­se auch lingu­is­ti­sche Fossilien. Verwenden Sprecher:innen des Chine­si­schen, Arabi­schen, Korea­ni­schen und Ghomálá’, einer mittel­afri­ka­ni­schen Sprache, auf Partikeln und Inter­jek­tio­nen (wie hm, und ne) dieselben Intona­ti­ons­mus­ter wie Deutschsprecher:innen? Ist das auch in den besonders hetero­ge­nen Dialekten und Sprechla­gen so?

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