Das REDE-SprachGIS als Hilfsmittel für die forensische Sprechererkennung: Horizontales und vertikales Hören

Im Sprachspuren-Beitrag vom 01. Juli 2021 hat Roland Kehrein veran­schau­licht, wie die im REDE-SprachGIS zur Verfügung stehenden Karten für die Einord­nung der Herkunft eines Sprechers/einer Spreche­rin verwendet werden können. In diesem Beitrag werden weitere Möglich­kei­ten, das REDE-SprachGIS für das Speaker Profiling zu nutzen, beschrie­ben. Verwendet werden die Aufnahmen aus den im REDE-SprachGIS enthal­te­nen Aufnahmen des REDE-Korpus (einen Überblick über die verschie­de­nen Korpora finden Sie hier; nähere Infor­ma­tio­nen zum REDE-Projekt bieten auch Ganswindt/Kehrein/Lameli 2015). 

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Schwangere beraten: Verstehen, Relevanzsetzung und Wissen in Gesprächen der Schwangerenberatung

Wie kann es sein, dass Frauen nach der Geburt berichten, von bestimm­ten Ereig­nis­sen und Entschei­dun­gen unter der Geburt überrascht worden zu sein, obwohl sich Hebammen und Ärzt*innen sicher sind, diese Aspekte im vorbe­rei­ten­den Gespräch erläutert zu haben? Wie kann die Gesprächs­füh­rung in diesem spezi­el­len medizi­ni­schen Kontext so gestaltet werden, dass Verstehen gefördert und gemein­sa­mes Wissen in Inter­ak­ti­on herge­stellt wird?

Diese Fragen bilden den praxis­ori­en­tier­ten Ausgangs­punkt unseres Projekts „Verstehen, Relevanz­set­zung und Wissen in der Schwan­ge­ren­be­ra­tung“, das durch Dr. Siegmund Köhler, den Leiter der Klinik für Geburts­hil­fe des Univer­si­täts­kli­ni­kums Marburg, angesto­ßen wurde.

Neben diesem direkt aus der Praxis abgelei­te­ten Interesse, sind Gespräche im Rahmen der Schwan­ge­ren­be­ra­tung auch aus theore­ti­scher Sicht wichtig, da sie sich in einem beson­de­ren Spannungs­feld befinden: Als Gespräche im medizi­ni­schen Kontext konfron­tie­ren sie die Betei­lig­ten mit hohen ethischen, juris­ti­schen und emotio­na­len Anfor­de­run­gen. Für Gespräche in der Geburts­hil­fe und der Schwan­ge­ren­be­ra­tung gilt dies in beson­de­rem Maße, da Schwan­ge­re ob der Fülle an Infor­ma­tio­nen und der Erwar­tun­gen an sie als werdende Mütter häufig unsicher sind und Hebammen und Ärzt*innen in Teilen defensiv agieren, um sich juris­tisch abzusi­chern. Dies kann im Kontrast zur Notwen­dig­keit stehen, einen common ground herzu­stel­len, um Entschei­dun­gen gemeinsam und infor­miert treffen zu können. 

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„Latscho, da haste Dich aber ne tobiffte Schmese an“

Die Mindener Buttjersprache: Untersuchung zur Verbreitung ihrer Lexik im heutigen Minden

Der Inhalt des Titels lässt sich nur verstehen, wenn man entweder in der ostwest­fä­li­schen Stadt Minden an der Weser geboren ist oder als Zugereis­ter zumindest ansatz­wei­se der dort ansäs­si­gen Sonder­spra­che mächtig ist. Ins Standard­deut­sche übersetzt heißt es ‘Junge, Du trägst aber einen tollen Anzug’.

Die Mindener Buttjer­spra­che ist um die Mitte des 19. Jahrhun­derts in Minden an der Weser entstan­den, eine Stadt mit ca. 82.000 Einwoh­nern, gelegen im äußersten Nordosten Nordrhein-Westfalens. Die beiden ursprüng­li­chen Entste­hungs­be­rei­che der Buttjer­spra­che sind die „Obere Altstadt“ und die „Fischer­stadt“ am Mindener Weser­ha­fen, beide im Innen­stadt­be­zirk Mindens gelegen.

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Die Benrather Linie ist keine syntaktische Grenze!

In der Dialekt­for­schung wurde die Syntax, wie jüngst in einem Sprachspuren-Beitrag von Hanna Fischer, Simon Kasper und Jeffrey Pheiff (2022) aufge­zeigt wurde, lange Zeit vernach­läs­sigt, unter anderem, weil man nicht glaubte, dass sprach­geo­gra­phisch relevante Unter­schie­de in syntak­ti­scher Hinsicht überhaupt existie­ren. Diese Ansicht kann heute als unbegrün­det zurück­ge­wie­sen werden, wie man etwa anhand der Dialekte, die im Bundes­land Hessen gespro­chen werden, zeigen kann. 

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Sprachspürli: Wie (un)bewusst sind Dialektstereotype?

Sprache ist das Holodeck, mit dem wir die Welt konzep­tio­na­li­sie­ren und entspre­chend begreifen. Sie ist omniprä­sent. Entspre­chend überrascht es nicht, dass jede:r Sprecher:in auch reflek­tie­ren­de Konzepte und Vorstel­lun­gen von Sprache und dem jewei­li­gen Sprach(en)kosmos, in dem er/sie sich bewegt, hat. Gespeist werden diese Vorstel­lun­gen von Metadis­kur­sen über Sprache (z.B. in schuli­schen oder kultu­rel­len Kontexten) und durch die unmit­tel­ba­re Sprach­pro­duk­ti­on und ‑perzep­ti­on.

Solche Diskurse über Sprache sind in vielerlei Hinsicht lingu­is­tisch inter­es­sant und relevant. Ein Aspekt, den ich hier heraus­grei­fen möchte, ist ihr Einfluss als externer Faktor auf Sprach­wan­del­pro­zes­se. Diskurse können Sprach­wan­del z.B. im Rahmen von präskrip­tiv formu­lier­ten Standar­di­sie­run­gen, Stigma­ti­sie­run­gen oder auch Aufwer­tung bestimm­ter (vermeint­lich) identi­fi­zier­ter Struk­tu­ren beein­flus­sen. Entspre­chend ist die Beschäf­ti­gung mit laien- bzw. perzep­ti­ons­lin­gu­is­ti­schen Aspekten nicht nur für die Psycho- und Kongi­ti­ons­lin­gu­is­tik, sondern auch für die histo­ri­sche Lingu­is­tik von Interesse.

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800 Jahre Dialekt in Marburg

Wie man in Marburg vor 800 Jahren gespro­chen hat, kann man nur vermuten. Uns liegen keine Quellen vor, die uns einen direkten Einblick in die gespro­che­ne Sprache vermit­tel­ten. Doch nach allem, was wir heute über die Entwick­lung des Deutschen wissen, dürften die heutigen Dialekte dem damaligen Sprach­stand einiger­ma­ßen nahe kommen, wenn sie auch kein konse­quen­tes Abbild liefern. Es könnte also gut sein, dass ein Satz des Typs merr sey mäure enn hu Doscht (wir sind müde und haben Durst), wie er aus Wehrda überlie­fert ist oder ois Berj sei net sihr huk, au sei viel hiher (unsere Berge sind nicht sehr hoch, eure sind viel höher) aus Altenvers schon zur Zeit der Stadt­grün­dung verstan­den worden wäre. Ob die Menschen damals aller­dings auch genau so gespro­chen haben, lässt sich schwer sagen. 

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Wenkerbögen neu kartiert

Die handge­zeich­ne­ten Karten des „Sprach­at­las des Deutschen Reichs“ (Wenker­kar­ten) sind ein eindrucks­vol­les Resultat einer enormen Daten­er­he­bung und eines detail­lier­ten manuellen Kartie­rungs­ver­fah­rens. Ich will hier einen Versuch einer zeitge­mä­ßen Visua­li­sie­rung vorstel­len, die genauso detail­ge­treu und zugleich intuitiv leichter verständ­lich ist als Wenkers Origi­nal­kar­ten. Das zentrale Problem besteht dabei darin, alle einzelnen Formen eines Erhebungs­phä­no­mens zu reprä­sen­tie­ren, ohne die Karte unüber­sicht­lich werden zu lassen. Vor allem bei der Kartie­rung der Vielfalt an vokali­schen Varianten ist das eine große Herausforderung.

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Regionalsprachliche Korpora des Deutschen — Repositorien des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas

Um Forschungs­da­ten einer­seits für die wissen­schaft­li­che Community sowie die inter­es­sier­te Öffent­lich­keit verfügbar zu machen und sie anderer­seits in eine Langzeit­ar­chi­vie­rung zu überfüh­ren, wurde in den letzten Jahren das Manage­ment dieser Ressour­cen und damit auch der Umgang mit Daten im wissen­schaft­li­chen Alltag stärker fokus­siert. Darunter fällt auch der Aufbau von Reposi­to­ri­en, der als wichtige Aufgabe von empirisch arbei­ten­den Forschungs­ein­rich­tun­gen gelten kann.

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Echtzeit-MRT in der Phonetik: Einblicke in Details der Artikulation

Im Bereich der artiku­la­to­ri­schen Phonetik ermög­li­chen bildge­ben­de Verfahren einen erheb­li­chen Erkennt­nis­ge­winn hinsicht­lich der Bewegungs­ab­läu­fe während der Sprach­pro­duk­ti­on. Zwei Methoden erlauben eine relativ gute zeitliche und räumliche Auflösung. Seit den 60er-Jahren steht hier das Ultra­schall­ver­fah­ren (Wein 1990, Wilson 2014) zur Verfügung. Es beruht auf der Reflexion von unhör­ba­rem Schall über 20 000 Hz an Gewebe­grenz­flä­chen (z. B. von Zungen­ober­flä­che und Umgebungs­luft) und erlaubt insbe­son­de­re die Visua­li­sie­rung der Zungenbewegung.

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Wenn Thomas “größer wie” sein Bruder ist. Regionale Variation im Satzbau

Dass das Deutsche regio­nal­sprach­li­che Variation aufweist, wissen viele: Was dem Berliner die Schrippen sind, heißt in Bayern Semmel und in Schwaben Weck. Auch Unter­schie­de im lautli­chen Bereich sind Ihnen wahrschein­lich mehr oder weniger bekannt. Heißt es beispiels­wei­se in Bayern I hob, so findet man in Norddeutsch­land Ik heff, Ik hewwe und dazwi­schen, im Mittel­hes­si­schen, Aich hon, Ech hu und Äich ho. Doch wie steht es um den Satzbau? Tradi­tio­nell wurde er bei der Frage nach dialek­ta­len Unter­schie­den eher stief­müt­ter­lich behandelt. Aber gibt es hier vergleich­ba­re regionale Unter­schie­de? Diese Frage wird gerade am Forschungs­zen­trum Deutscher Sprach­at­las erforscht. 

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