„Wie heißt du und wie nennst du dich?“ – Hausnamen in Mittelhessen

Katasterkarte von Großseelheim, um 1755 (aus Block et al. 2016)

Was sind Hausnamen?

In vielen Regionen Deutsch­lands gibt es auf dem Dorf ganz besondere Namen: die Hausnamen (auch Dorfnamen oder Hofnamen genannt). Will man über einen Bekannten aus dem Dorf sprechen, so bezeich­net man ihn nicht mit dem Famili­en­na­men (Müller, Wolf, Schultz), sondern mit dem sogenann­ten Hausnamen (Zellersch, Wisskeb­jes, Buchben­nersch). So könnte jemand, der Heinrich Dörr heißt, im Dorf Verwäl­täsch Hein genannt werden. Man unter­schei­det also, wie man heißt (Vorname), wie man sich nennt (Hausname) und wie man sich schreibt (Famili­en­na­me). Kennt man den Hausnamen, weiß man zugleich, wo jemand wohnt und zu welcher Familie die Person gehört. Während die offizi­el­len Famili­en­na­men im Perso­nal­aus­weis stehen, sind die Hausnamen inoffi­zi­ell und werden nur in der mündli­chen Kommu­ni­ka­ti­on in der Dorfge­mein­schaft verwendet.

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Die Anfänge der Sprachkartographie

Fast 50.000 handge­schrie­be­ne Formulare mit Dialekt­über­set­zun­gen auf dem Schreib­tisch, aus denen ein Sprach­at­las entstehen soll. Wie lässt sich eine solche Masse an Material auswerten und kartieren zu einer Zeit als es noch keinen Computer gab? Im folgenden Video können Sie in einer Animation sehen, wie Georg Wenker diese Mammut­auf­ga­be bewäl­tig­te und der “Sprach­at­las des Deutschen Reichs” entstand.

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Zum Zusammenhang von Sprechtempo und Ausspracheverschleifungen im deutschen Sprachraum

Die Berliner/innen sprechen alle schnell, die Schweizer/innen langsam (und die Berner/innen erst!!). In Hannover spricht man klar und deutlich, in Sachsen wird genuschelt und die Norddeut­schen (vonne waterkant) sind eben sehr einsilbig. Solche und weitere subjek­ti­ve Alltags­theo­rien bestehen zuhauf und sind immer wieder Grundlage für (regio­nal­sprach­li­che) Abgren­zungs­ver­su­che zu den „Anderen“. Oft wird dabei auch auf gängige (oder manchmal sogar nur ad hoc gebildete?) Stereo­ty­pe zurück­ge­grif­fen, bei denen diese Anders­ar­tig­keit der Anderen auf ihre spezielle Art zu sprechen zurück­ge­führt werden soll. Aber stimmen solche Annahmen? Gibt es überhaupt Regionen, in denen nachweis­lich schneller oder langsamer gespro­chen wird? Und gibt es wirklich Regionen, in denen die Leute stärker „nuscheln“ und verschlif­fe­ner sprechen als andere? Und müsste das dann nicht auch zusam­men­hän­gen, müssten nicht die Schnellsprecher/innen auch automa­tisch verschlif­fe­ner sprechen?

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Doing Morphosemantic Analyses in Farsi WordNets

This article presents a morpho­lo­gi­cal analysis of 3500 Persian derived nouns (i.e. the Farsi language) combined with their semantic inter­pre­ta­ti­on. These nouns are documen­ted in the computer system FarsNet offering a compu­ta­tio­nal codifi­ca­ti­on (so called wordnets) that specifies morpho­lo­gi­cal relations between classes of derived nouns and their bases. A compre­hen­si­ve and detailed descrip­ti­on of the relevant lingu­is­tic levels is a prere­qui­si­te for achieving progress in natural language proces­sing (NLP).

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Das Kaschubische in nicht kartierten Wenker-Materialien

Der histo­ri­sche „Sprach­at­las des Deutschen Reichs“ von Georg Wenker (1889–1923) ist bis heute die umfas­sends­te Darstel­lung der Sprach­ver­hält­nis­se innerhalb der Grenzen eines Landes. Neben den deutschen Dialekten dokumen­tiert er die Varie­tä­ten anderer Sprachen, die im damaligen Deutschen Reich gespro­chen wurden, darunter des Franzö­si­schen, des Kaschu­bi­schen, des Polni­schen, des Tsche­chi­schen und des Litaui­schen. Entspre­chend der Absicht, die sprach­li­che Variation im Deutschen Reich zu dokumen­tie­ren, sind zwar neben den deutschen Dialekten auch die Fremd­spra­chen des Staats­ge­bie­tes syste­ma­tisch kartiert, jedoch sind die Fremd­spra­chen auf den Karten des „Sprach­at­las des Deutschen Reichs“ und auch in den Karten­kom­men­ta­ren (Wenker 2013) nicht immer vollum­fäng­lich erfasst. Dies gilt unter anderem für das Kaschu­bi­sche, dessen älteste flächen­de­cken­de Dokumen­ta­ti­on um 1879/80 und 1887 in den von Wenker verschick­ten Frage­bö­gen erfolgte. 

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Wo kommt die/der denn her? Vom Nutzen von Dialektkarten für das Speaker Profiling

Sie fragen sich vielleicht auch immer einmal wieder, aus welcher Region in Deutsch­land eine Ihnen unbekann­te Person, die Sie beispiels­wei­se im Fernver­kehrs­zug haben sprechen hören, wohl stammen könnte. Oder Sie haben eine Idee, woher die Person stammt, sind sich aber nicht sicher und würden Ihre Idee gern überprü­fen. Bei der Bestim­mung der Herkunft einer unbekann­ten Person handelt es sich zwar nicht um eine Kerndis­zi­plin innerhalb der Sprach­wis­sen­schaft, sie bildet aber einen mitunter wichtigen Teil der anwen­dungs­be­zo­ge­nen „foren­si­schen Sprecher­erken­nung“ bzw., wenn es vor allem um lautsprach­li­che Aspekte geht, der „foren­si­schen Phonetik“. 

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In den Ursprüngen der menschlichen Kommunikation

Die Intona­ti­ons­mus­ter von hm, und ne sind echte sprach­li­che Univer­sa­li­en – und mögli­cher­wei­se auch lingu­is­ti­sche Fossilien. Verwenden Sprecher:innen des Chine­si­schen, Arabi­schen, Korea­ni­schen und Ghomálá’, einer mittel­afri­ka­ni­schen Sprache, auf Partikeln und Inter­jek­tio­nen (wie hm, und ne) dieselben Intona­ti­ons­mus­ter wie Deutschsprecher:innen? Ist das auch in den besonders hetero­ge­nen Dialekten und Sprech­la­gen so?

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“Whodunnit?” Überraschendes zu unserem Umgang mit Mehrdeutigkeit

Im Neuen Testament wird in Matthäus 26, 6–12 erzählt, wie eine Frau die Jünger Jesu erzürnt, indem sie sich mit einem Ölgefäß Jesu Sitzplatz nähert und ihm das Öl kurzer­hand über den Kopf schüttet. Jesus, die Ruhe selbst, bittet seine Jünger, der Frau nicht zu zürnen, und fügt hinzu:

(1) Neuhoch­deutsch

Siehatein gutes Werkanmirgetan
sie.NOM/AKK.SG/PLhab.3SGWerk.NOM/AKKanmirtu.PTZ

(2) Hochale­man­nisch

E gueti Taathät sijaamertaa
Werk.NOM/AKKhab.3SGsie.NOM/AKK.SG/PLjaanmirtu.PTZ
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Similaritätsmessungen deutscher Sprachinselmundarten

Deutsch wird nicht allein im zusam­men­hän­gen­den konti­nen­tal­ger­ma­ni­schen Sprach­raum gespro­chen. Weltweit finden sich zahlrei­che Ortschaf­ten und Regionen, deren Gründung teilweise bis ins 11./12. Jh. zurück­reicht und in denen noch heute Deutsch gespro­chen wird. Diese Sprach­in­sel­dia­lek­te sind für die Sprach­wis­sen­schaft aus mehreren Gründen inter­es­sant. Zum einen sind dort oftmals sprach­li­che Erschei­nun­gen konser­viert, die im Binnen­sprach­raum inzwi­schen verschwun­den sind. Zum anderen haben sich die Insel­mund­ar­ten unter­ein­an­der sehr häufig vermischt. Diese sprach­li­chen Mischun­gen betreffen nicht nur das Deutsche und die überda­chen­de nicht deutsche Sprache der Region oder des Landes. Auch zwischen den deutschen Mundarten kommt es zu teilweise sehr starken Ausgleichs­pro­zes­sen, die zu ganz neuen sprach­li­chen Varie­tä­ten führen können. Zudem wirkt auch die Schrift­spra­che auf die Insel­mund­ar­ten ein, in jüngerer Zeit auch die gespro­che­ne, z. B. über das Internet erfahr­ba­re Standardsprache. 

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Vowels and the phonotactic clustering of German Dialects

Introduction

This work adresses the question, which role vowel-information plays when hierar­chi­cal­ly cluste­ring German dialects. When comparing the results of three different settings of the data (unmodi­fied vowel infor­ma­ti­on; vowels replaced by „V“; vowels comple­te­ly removed), it can be observed that in each case the data strongly tends to form the same three main clusters, corre­spon­ding to the large dialect-areas Upper German, Low German/East Central German and West Central German. The fact that each setting appro­xi­mate­ly gives the same result suggests that vowels only play a minor role for phono­tac­ti­cal­ly cluste­ring German dialects, although they make up 30% of the data.

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