„Nur wenn der Creme Ihnen schmeckt, gedenken Sie freundlichst…“ Handschriftliche Kochbücher des 19. und frühen 20. Jahrhunderts als Zeugnisse der Erinnerungskultur von Frauen

Kochbü­cher und Kochre­zep­te gelten als Anlei­tungs­tex­te (s. z. B. Brinker / Pappert / Cölfen 2024 oder „Bedeu­tungs­ver­wand­te Ausdrücke“ im Eintrag „Kochrezept“ im DWDS). Das lässt sich damit erklären, dass bei der Funkti­ons­be­stim­mung des Texttyps in der Regel nur Kochre­zep­te heran­ge­zo­gen werden, die für den öffent­li­chen Gebrauch bestimmt sind. Das sind vor allem Kochre­zep­te, die in Kochbü­chern, Zeitschrif­ten und anderen Massen­me­di­en veröf­fent­licht werden. Kochre­zep­te, die für den privaten oder beruf­li­chen Gebrauch notiert werden, werden dagegen in Texttyp­de­fi­ni­tio­nen, ‑klassi­fi­ka­tio­nen und ‑charak­te­ris­ti­ka nur selten erwähnt. Gleiches gilt für ihre Funktio­nen. Ausnahmen sind z. B. Gloning 2002 und Wolańska-Köller 2010.

Auch ein Teil von Kochbü­chern und Kochre­zep­ten aus dem Bereich der privaten Schrift­lich­keit entstand, um andere (in der Regel weibliche) Personen zur selbstän­di­gen Zuberei­tung von Speisen anzulei­ten. Neben der anlei­ten­den Funktion können handschrift­li­che Kochbü­cher und Kochre­zep­te aber auch andere kommu­ni­ka­ti­ve Funktio­nen erfüllen, z. B. das eigene Gedächt­nis entlasten, bestimmte Zuberei­tungs­ar­ten dokumen­tie­ren oder jemanden an eine bestimmte Person und/oder einen bestimm­ten Anlass erinnern. Gegen­stand dieses Beitrags ist die Erinne­rungs­funk­ti­on von handschrift­li­chen Frauen­koch­bü­chern des 19. und frühen 20. Jahrhun­derts. Ziel ist es, zu zeigen, dass Kochbü­cher und Kochre­zep­te aus dem Bereich der privaten Schrift­lich­keit einen Teil der Erinne­rungs­kul­tur darstellen.

Handschriftliche Frauenkochbücher

Handschrift­li­che Frauen­koch­bü­cher, d. h. Kochbü­cher, die von oder für Frauen geschrie­ben wurden, haben eine lange Tradition, die sich bis in die Mitte des 16. Jahrhun­derts zurück­ver­fol­gen lässt.1 Aus dieser Zeit stammen das Kochbuch der Philip­pi­ne Welser (Hayer 1983) und das Kochbuch der Sabina Welser (Stopp 1980), die als die ersten in deutscher Sprache handschrift­lich verfass­ten Frauen­koch­bü­cher gelten (s. Glaser 2002: 512).

Schon in der Frühen Neuzeit war das Ausstat­ten von jungen Frauen mit einem für sie zusam­men­ge­stell­ten handschrift­li­chen Kochbuch eine gängige Praxis.2 Diese Aufgabe übernah­men Mütter, Tanten oder andere in der Kochkunst erfahrene Personen. Die von ihnen aus dem eigenen Erfah­rungs­schatz kompi­lier­ten, in der Regel in einem Zuge geschrie­be­nen Kochbü­cher waren ein beliebtes Konfirmations- und Hochzeits­ge­schenk für Töchter, Nichten und andere weibliche Famili­en­mit­glie­der, besonders für solche im heirats­fä­hi­gen Alter (s. Wolańska 2007 und Wolańska-Köller 2010: 74–76). Das bekann­tes­te handschrift­li­che Geschenk­koch­buch ist das Kochbuch von Anna Justina Marga­re­tha Lindhei­me­rin, Großmutter von Johann Wolfgang von Goethe, das 1724 vermut­lich anläss­lich ihrer Konfir­ma­ti­on von einer erfah­re­nen anonymen Wetzlarer Hausfrau verfasst wurde (Lemmer 1981, s. auch Liepsch / Beck 2018: 23).

Andere namhafte Frauen, die ein eigenes handschrift­li­ches Kochbuch oder eine Lose-Blatt-Sammlung mit handge­schrie­be­nen Kochre­zep­ten besaßen, waren u. a. Ottilie von Goethe, Schwie­ger­toch­ter von Johann Wolfgang von Goethe (s. Liepsch / Beck 2018: 53–55),3 Erdmuthe Dorothea Nietzsche, Großmutter von Friedrich Nietzsche (s. Liepsch / Beck 2018: 73–76), Claudine von Arnim, Schwie­ger­toch­ter von Bettina und Ludwig Achim von Arnim (s. Liepsch / Beck 2018: 69–72), Henriette Dorothea Grimm, Ehefrau von Wilhelm Grimm (Sollner 2013) und Johanne Wilhel­mi­ne Cotta, Ehefrau von Johann Friedrich von Cotta, dem Verleger von Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe (Beck 1984).4

Im 19. Jahrhun­dert war das Besitzen eines eigenen handschrift­li­chen Kochbuchs Mode. Ein Großteil handge­schrie­be­ner Frauen­koch­bü­cher aus dieser Zeit wurde in privaten Haushal­ten geschrie­ben. Aus dem 19. und frühen 20. Jahrhun­dert sind auch handschrift­li­che Frauen­koch­bü­cher erhalten geblieben, die im beruf­li­chen (z. B. in Hotel- und anderen Großkü­chen, s. z. B. Koch 1900 und Straub 1905) oder schuli­schen (v. a. in Koch- und Haushal­tungs­schu­len, s. z. B. Grom 1914 und Schneider 1920) Kontext entstan­den. Eine Auswahl von Digita­li­sa­ten handschrift­li­cher Frauen­koch­bü­cher der vergan­ge­nen zwei Jahrhun­der­te aus meiner Kochbuch­samm­lung, darunter die genannten Hotel- und Schul­koch­bü­cher, kann unter www.kochbuchbibliothek.de abgerufen werden.

Im privaten Bereich gehörten nicht nur das Führen eines handschrift­li­chen Kochbuchs und das Sammeln von Kochre­zep­ten, sondern auch der Rezept­aus­tausch unter Frauen zum guten Ton. Kochre­zep­te von Famili­en­mit­glie­dern, Freun­din­nen, Bekannten, Wirtinnen, Personal etc. wurden auf- und abgeschrie­ben, weiter­ge­ge­ben, per Post verschickt, über Dritte übermit­telt. Belege dafür finden sich in Form von Herkunfts­ver­mer­ken in Rezept­ti­teln oder unter den Kochre­zep­ten (s. Zitat (1)), Angaben dazu, wo die Speise gegessen wurde (s. Zitat (2)), losen Blättern, Briefen und Postkar­ten mit handschrift­li­chen Kochre­zep­ten sowie diversen Vermerken für die Adres­sa­ten (s. Zitat (3)).

(1) „Hasenpastete von Frau Marie Brentano“ (Eintrag im Kochbuch von Claudine von Arnim, zit. nach Liepsch / Beck 2018: 21)

(2) „dieser Auflauf schmeckt sehr gut, ich habe ihn gestern Abend hier gegessen. Bonn. D. 2ten August 1821.“ (Grimm 1821–1847, Einlageblatt mit Kochrezept für „Zitronenauflauf“)

(3) „Guten Appetit und angenehme Tischgesellschaft dazu wünscht Dir Ottilie.“ (Einlageblatt mit Kochrezept für „Fisch mit Parmesankäse“ von Ottilie von Goethe, zit. nach Liepsch / Beck 2018: 16)

Das Kochbuch als Erinnerungsbuch

Stand beim Verfassen von frühen Geschenk­koch­bü­chern die Intention im Vorder­grund, junge Frauen zur selbstän­di­gen Speisen­zu­be­rei­tung anzulei­ten und sie damit auf die Führung eines eigenen Haushalts vorzu­be­rei­ten oder sie bei dieser zu unter­stüt­zen, gewann mit der Zeit immer mehr der Wunsch an Bedeutung, die Beschenk­ten an die Schen­ken­den und den Anlass zu erinnern, zu dem das Kochbuch verfasst wurde. Um diesem Wunsch Rechnung zu tragen, wurden handge­schrie­be­ne Geschenk­koch­bü­cher mit einer Widmung versehen, in der der Schenk­an­lass, der Name oder der Verwandt­schafts­grad der schen­ken­den, ggf. auch der beschenk­ten Person, das Entste­hungs­da­tum und der Entste­hungs­ort genannt wurden. Ein Zeugnis dieser Praxis ist z. B. das handschrift­li­che Kochbuch, das Philomena Pichler (Pichler 1861, s. Abbildung 1) zum Namenstag von ihrer Schwester erhielt. Neben 100 Kochre­zep­ten enthält das in einem Zuge, in Schön­schrift geschrie­be­ne Kochbuch für Philomena Pichler eine Erklärung von Gewichts‑, Maß- und Stück­ab­kür­zun­gen und ein Register. Auf dem Vorsatz­blatt wurde vermerkt

(4) Koch-Buch 
geschrieben
für meine liebe Schwester
Philomena Pichler.
1861
Zum Nahmensfeste. (Pichler 1861: 1r, s. Abbildung 1)

Abb. 1: Widmung im Kochbuch der Philomena Pichler (Pichler 1861: 1)

Spätes­tens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhun­derts war das Schenken von leeren oder angeleg­ten Blanko­koch­bü­chern zum Andenken eine Mode. Das Kochbuch wurde zum Erinne­rungs­buch. Vermut­lich nach dem Muster der damals sehr verbrei­te­ten Praxis des Führens und Schenkens von (Blanko‑)Stammbüchern und Poesie­al­ben (vgl. Angermann 1971: 22) trugen Frauen (seltener auch Männer, s. Abbildung 3 und 4) in vorge­druck­te Blanko­koch­bü­cher Widmungen, formel­haf­te Gedenk­emp­feh­lun­gen und Zunei­gungs­be­teue­run­gen ein und schenkten diese Frauen aus dem eigenen sozialen Umfeld. Auch Schenk­an­lass, ‑datum und ‑ort wurden vermerkt. Die Zitate (5)-(7) und die dazu gehörigen Abbil­dun­gen 2–4 zeigen drei Beispiele für Widmungen in Blankokochbüchern:

(5) „Zur freundlichen
Erinnerung gewidmet
von Ihrer
Herta Klöpfel.
Gera den 1. Augut 1919.“ (Klöpfel 1919: Rückseite des Vorsatzblattes, s. Abbildung 2)

Abb. 2. Widmung von Herta Klöpfel (Klöpfel 1919: Rückseite des Vorsatzblattes)

(6) „Dies Erinnerungsbuch zur Sammlung guten Rathes 
für Hausmannskost, (...)
für meine liebe Tochter
Helene am 24. Dezember 1852 übergeben von
Benjamin Kretz.“ (Kretz 1856–1909: Vorderseite des Vorsatzblattes. s. Abbildung 3)

Abb. 3: Widmung im Kochbuch für Helene Kretz (Kretz 1856–1909: Vorder­sei­te des Vorsatzblattes).

(7) „Als
Namenstag-Präsent
von Deinem Papa.
Den 11. August 1896.“ (Mayer 1986: 4, s. Abbildung 4)

Abb. 4: Widmung im Kochbuch für Mina Mayer (Mayer 1896: 4)

Gelegent­lich wurden das Schenken von Blanko­koch­bü­chern und das Zusam­men­stel­len eines eigenen Kochbuchs aus Kochre­zep­ten von Famili­en­mit­glie­dern, Freunden und Bekannten explizit thema­ti­siert. Am 2. Mail 1891 trug Ruth de Looper in ein hochwer­ti­ge Blanko­ge­schenk­koch­buch mit Kunst­le­der­ein­band, Metall­be­schlag, Metall­schlie­ße und Goldschnitt die folgenden Zeilen ein:

(8) „Zum 2. Mai 1891 
(...)
„Ach man kauft doch heutzutage
Ganz gedruckt ein Kochbuch schon,
Und es ist die große Frage,
Ob einʾs schreiben sich noch lohn.“
(...)
Und zu meiner großen Freude
Hört ich sagen hier und dorten,
Allerliebst ein leeres Kochbuch
Zum Geschenk sei allerorten.

Alles muß man sich notieren
In das eigne Kochbuch fein,
Und dann öfters selbst probieren
Das wird ein Vergnügen sein.

Hier hat eine gute Tante
Ein Recept für Pfeffernüsse;
Dort ein Bäschen sendet eins
Für „baisers“ – im Deutschen Küsse!

Und Mama selbst hat bekanntlich
Auf die Küchʾ ein Monopol,
Sie macht viele guten Sachen
Die man ihr abspicken soll. -

Drum soll ein willkommʾnes Zeichen
Dir dies Buch sein von der Ruth,
Daß sie auch in fernen Reichen
Immer an dich denken thut.

Brauch es oft und mit Erfolg,
Denn ich hörte neulich sagen,
Daß der Weg zum Herz des Mannes
Sicher führe durch den Magen!“

Jumet (Belgien)
im Mai 1891
Ruth de Looper“
(Krämer 1891–1953: 2r–3v)

Eine 1944 von einer anderen Hand stammende Widmung zeigt, dass das Blanko­koch­buch ein Hochzeits­ge­schenk war und über mindes­tens drei Genera­tio­nen von Mutter auf Tochter vererbt wurde:

(9) „Meiner lieben Ilse zum 27. Juni 44
zur Erinnerung an ihre Großeltern
Krämer, die am 2. Mai 1891 geheiratet
haben
von ihrer Mutti.“ (Krämer 1891–1953: Rückseite Vorsatzblatt, s. Abbildung 5)

Abb. 5: Zwei Widmungen im Kochbuch für Frau Krämer (Krämer 1891–1953: 1v–2r).

Weitere Charak­te­ris­ti­ka von Blanko­ge­schenk­koch­bü­chern, die handschrift­li­che Einträge der Schen­ken­den enthalten, sind gereimte Verse, Zitate aus der Literatur sowie Poesie­koch­re­zep­te mit Hinweisen auf die bürger­li­chen Tugenden einer Haus- und Ehefrau (s. z.B. Riedel 1916 ff.: 1v und Manz 1921 ff.: Rückseite des Vorderdeckels, s. Zitat (10) und Abbildung 6).

(10) „Gericht für Sonn= u. Wochentage.!

Nimm 20 Liter Heiterkeit und rühre sie nach Kräften
Dann zeige Lust und Fröhlichkeit bei allen Hausgeschäften
Ein volles Maß Zufriedenheit, bring stets dem Mann entgegen
Und schaffʾ zeigt er Verdrießlichkeit, stets Sonnenschein auf Regen.
Hüllʾ alles fein in Sauberkeit und würze es mit Scherzen
Vergiß auch nicht die Sparsamkeit und gib mit frohen Herzen.
Das Essen halte stets bereit, dann bleibst Du zweifelsohne
Des Gatten Stolz zu aller Zeit, des Hauses schönste Krone.

Reichtum - Rezept.

10 Tropfen concentrierten Fleiß
Und ebensoviel sauren Schweiß
10 Tropfen alte Redlichkeit
10 Tropfen strenge Sparsamkeit
Dies alles mische mit Verstand
So hast Du das Mittel zum Reichtum zur Hand.

Wenn Sie diese Rezepte recht fleißig benützen
denken Sie hoffentlich auch manchmal
Ihrer Marie Riedel.“
Tinz, d. 28. März 1916. (Riedel 1916 ff.: Rückseite des Vorsatzblattes, S. Abbildung 6)

Abb. 6: Widmung und Poesiekochrezepte im Kochbuch von Marie Riedel (Riedel 1916 ff.: Rückseite des Vorsatzblattes).

Neben Widmungen sollten handschrift­lich einge­tra­ge­ne Kochre­zep­te an die Rezept­ge­be­rin­nen und den Schenk­an­lass erinnern. Zum einen wurden oft einige Kochre­zep­te für einzelne Speisen­grup­pen bei der Anlage des Kochbuchs von der/dem Schen­ken­den einge­tra­gen. Zum anderen wurde das Eintragen von Kochre­zep­ten in bereits bestehen­de handschrift­li­che Frauen­koch­bü­cher durch Famili­en­an­ge­hö­ri­ge, Freun­din­nen und Bekannte der Kochbuch­be­sit­ze­rin­nen prakti­ziert.5 Zeugnisse dieser Praxis finden sich z. B. im handschrift­li­chen Kochbuch von Tante Elwira (Elwira 1878–1938: 2r), einem „Geschenk von Frau v. Engelmann“ (ebd.: 2r), in dem mehrere Kochre­zep­te von verschie­de­nen Händen notiert wurden. An einige dieser Kochre­zep­te schließen sich Widmungen, Freund­schafts­be­teue­run­gen und Erinne­rungs­emp­feh­lun­gen der Eintra­gen­den an (s. Zitate (11)-(13) und Abbil­dun­gen 7–9).

(11) „Nur, wenn der Creme Ihnen
schmeckt, gedenken Sie freundlichst
Ihrer
Sie herzlich liebenden
Marie Schneider.“ (Elwira 1878–1938: 29v, Widmung unter dem Rezept für „Kräftige[n] Weincreme; Unterstreichung aufgehoben [AW], s. Abbildung 7)

Abb. 7: Kochre­zept für „Kräftige[n] Weincreme“ mit Widmung im Kochbuch von Tante Elwira (Elwira 1878–1938: 29v).

(12): „Möchten Sie bei Zubereitung dieses Geleeʾs sich
stets freundlich erinnern
Ihrer
Sie aufrichtig liebenden
Antonie Schneider.
Geb: von Wunsch.“ (ebd.: 29r, Widmung unter dem Kochrezept für „Wein-Gelée“, s. Abbildung 8)

Abb. 8: Kochre­zept für „Wein-Gelée“ mit Widmung im Kochbuch von Tante Elwira (Elwira 1878–1938: 29r).

(13) „Bei Durchlesung dieser Zeilen
bittet um ein freundliches Erinern
Ihre
Sie sehr verehrende Lida von Lüttnitz.“ (ebd: 41v, Widmung unter dem Kochrezept für „Hobelspäne“; Geminatenkürzung aufgelöst [AW], s. Abbildung 9)

Abb. 9: Kochre­zept für „Hobel­spä­ne“ mit Widmung im Kochbuch von Tante Elwira (Elwira 1878–1938: 41v).

Das Eintragen von Kochre­zep­ten in handschrift­li­che Kochbü­cher anderer Frauen aus dem eigenen sozialen Umfeld ist im Zusam­men­hang mit dem zeitty­pi­schen, regen Rezept­aus­tausch zu sehen. Auch ein Zusam­men­hang mit oder sogar die Muster­rol­le von den ab dem ausge­hen­den 18. Jahrhun­dert beliebten Frauen­stamm­bü­chern und Poesie­al­ben liegt nahe. Für die Nutzung handschrift­li­cher Kochbü­cher als Erinne­rungs­bü­cher nach dem Vorbild von Frauen­stamm­bü­chern und Poesie­al­ben und die Übernahme stammbuch- bzw. poesie­al­bum­ar­ti­ger Textmus­ter sprechen v. a. zwei Punkte: 1. die Tatsache, dass die Erinne­rungs­funk­ti­on und die formel­haf­ten Widmungen, die für Frauen­stamm­bü­cher und Poesie­al­ben typisch sind, sich in diesen deutlich früher nachwei­sen lassen als in handschrift­li­chen Frauen­koch­bü­chern,6 2. die Standar­di­sie­rung und der nahezu gleiche Wortlaut von Widmungen, Gedenk­emp­feh­lun­gen und Freund­schafts­be­teue­run­gen in den beiden Textarten (s. Tab. 1).

Widmungen in FrauenkochbüchernWidmungen in Poesiealben
„Bei Durch­le­sung dieser Zeilen bittet um ein freund­li­ches Erinnern Ihre Sie sehr vereh­ren­de Lida von Lüttnitz.“ (Elwira 1878–1938: 41v; Gemina­ten­kür­zung aufgelöst [AW])
„Beim durch­le­sen dieser Zeilen erinnere dich oft und gern deiner teuren Freundin Hedwig Stenger Erfurt d. 13 Juli 1884“ (Sander 1880–1886: 30r)


„Möchten Sie bei Zuberei­tung dieses Geleeʾs sich stets freund­lich erinnern Ihrer Sie aufrich­tig liebenden Antonie Schneider. Geb: von Wunsch.“ (Elwira 1878–1938: 29r)
„Zur freund­li­chen Erinne­rung an Deine Dich liebende Tante Sophie Sander. Witten­berg d. 13 April 1880.“ (Sander 1880–1886: 12r)

„Zur freundl. Erinne­rung an die gemeinsam schön verlebten Stunden in Offenbach im Frühjahr 1921 Frau Else Drews.“ (Manz 1921 ff.: Rückseite des Vorderdeckels)
„Zur Erinne­rung an die zusammen verlebten Tage in unserem geliebten Storenz. Im Mai 1852 Elisa Bohse.“ (Aderkas 1846–1858: 24r)

Tab. 1: Widmungen in handschrift­li­chen Kochbü­chern und Poesie­al­ben (Zeilen­tren­nung aufge­ho­ben [AW]).

Auch für das Betiteln von handschrift­li­chen Kochbü­chern als „Küchen-Album“ (z. B. Anonym [1880]), den darin enthal­te­nen Seiten­schmuck (z. B. Krämer 1891–1953) und die gelegent­lich vorkom­men­den Perlen­sti­cke­rei­en (z. B. Crolow 1850–1904) können Poesie­al­ben als Vorbild fungiert haben.

(Text-)Linguistischer Wert

Handschrift­li­che Erinne­rungs­koch­bü­cher des 19. und frühen 20. sind für die (text-)linguistische Forschung in mehrfa­cher Hinsicht inter­es­sant. Als Dokumente älterer Sprach­stu­fen geben sie Einblicke in histo­ri­sche Ausprä­gun­gen der deutschen Sprache, insbe­son­de­re im Bereich des Wortschat­zes, der Syntax und der Textor­ga­ni­sa­ti­on. Als Zeugnisse privater Schrift­lich­keit geben sie Aufschluss über die schrift­sprach­li­che Kompetenz und verschie­de­ne Aspekte (z. B. die regionale Prägung, s. das Genus von Creme im Titel dieses Beitrags) des Sprach­ge­brauchs von Frauen, die Textnut­zung und die Verbrei­tungs­we­ge von Kochre­zep­ten in den vergan­ge­nen zwei Jahrhun­der­ten. Als Vertreter des Texttyps Kochre­zept und der Textgat­tung Kochbuch zeigen sie, dass Kochre­zep­te und Kochbü­cher neben der für sie proto­ty­pi­schen Anlei­tungs­funk­ti­on und anderen eingangs genannten Funktio­nen auch die Erinne­rungs­funk­ti­on erfüllen und damit zu den Zeugnis­sen schrift­li­cher Erinne­rungs­kul­tur von Frauen gehören können. Sie sind ebenso Belege dafür, dass ein Kochre­zept oder ein Kochbuch gleich­zei­tig oder zu verschie­de­nen Zeitpunk­ten mehr als eine Funktion erfüllen kann. Zwar fehlen Nachweise (so etwa in Form von Gebrauchs­spu­ren, Vermerken zur Qualität der Gerichte oder Kochre­zep­te) dafür, dass die in Erinne­rungs­koch­bü­chern beschrie­be­nen Zuberei­tungs­wei­sen von den Beschenk­ten in die Praxis umgesetzt wurden. Die in den Widmungen enthal­te­nen Bedin­gun­gen wie in Zitat (11), Wünsche wie in Zitat (12) und Bitten wie in Zitat (13) lassen aber darauf schließen, dass diese Kochre­zep­te nicht nur als Andenken bzw. zur „Durch­le­sung“ (Elwira 1878–1938: 41v), sondern auch als Anlei­tun­gen zur Speisen­zu­be­rei­tung gedacht waren. Das Eintragen von Kochre­zep­ten, Widmungen, Zunei­gungs­be­teue­run­gen, Erinne­rungs­emp­feh­lun­gen und Poesie­koch­re­zep­ten in handschrift­li­che Kochbü­cher für oder von andere(n) Personen ist auch ein Beleg für die Übernahme bzw. textty­p­über­grei­fen­de Verwen­dung von Text- und Handlungsmustern.

Moderne Kochbücher und Kochrezepte als Zeugnisse der Erinnerungskultur

Die Tradition des Schenkens von selbst geschrie­be­nen Kochbü­chern und Kochre­zep­ten zur Erinne­rung an bestimmte Anlässe und Personen besteht auch noch heute. Anders als histo­ri­sche handschrift­li­che Geschenk­koch­bü­cher werden ihre modernen Pendants nicht nur von und für (junge) Frauen, sondern von und für Personen verschie­de­ner Geschlech­ter und Alters­stu­fen verfasst. Selbst erstellte oder zusam­men­ge­stell­te Kochbü­cher sind immer noch ein beliebtes Hochzeits‑, Geburtstags- oder Abschieds­ge­schenk für Famili­en­mit­glie­der, Freund:innen, Arbeitskolleg:innen und Lehrer:innen. Anders als in früheren Jahrhun­der­ten werden Kochre­zep­te in der Regel nicht mehr in Blanko­koch­bü­cher, sondern auf einzelne Blätter einge­tra­gen, die zu einem Kochbuch gebunden werden, auf einer zu einem Schenk­an­lass angeleg­ten Inter­net­sei­te veröf­fent­licht (s. z. B. Geburtstagskochrezepte für Waldek) oder in Form von einem indivi­du­ell für das Hochzeits­paar konzi­pier­ten Fotobuch (s. z. B. Hochzeitsportal24) gedruckt. Kochre­zep­te mit Erinnerungs- (und vermut­lich auch anlei­ten­der) Funktion können auch in Festschrif­ten vorkommen. In der „Festgabe für Heinz Dieter Pohl zum 70. Geburts­tag“ (Bergmann / Unter­gug­gen­ber­ger 2013) wurde jedem Beitrag ein Kochre­zept beigefügt.

Diesen Beitrag zitieren als

Wolańska, Anna. 2026. „Nur wenn der Creme Ihnen schmeckt, gedenken Sie freund­lichst…“ Handschrift­li­che Kochbü­cher des 19. und frühen 20. Jahrhun­derts als Zeugnisse der Erinne­rungs­kul­tur von Frauen. In: Sprach­spu­ren: Berichte aus dem Deutschen Sprach­at­las 6(1). https://doi.org/10.57712/2026-01

Literatur

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Bergmann, Hubert / Unter­gug­gen­ber­ger, Regina M. (Hg.) (2013): Lingu­i­sti­ca culinaria. Festgabe für Heinz-Dieter Pohl zum 70. Geburts­tag. Wien: Praesens.

Brinker, Klaus / Pappert, Steffen / Cölfen, Hermann (2024): Lingu­is­ti­sche Textana­ly­se: eine Einfüh­rung in Grund­be­grif­fe und Methoden. 10., neu bearbei­te­te Auflage. Bern: Schmidt.

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Göhmann-Lehmann, Christine (1994): Freund­schaft – ein Leben lang… Schrift­li­che Erinne­rungs­kul­tur für Frauen. Heraus­ge­ge­ben von Stiftung Museums­dorf Cloppen­burg: Museums­dorf Cloppen­burg. Nieder­säch­si­sches Freilichtmuseum.

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Hayer, Gerold (1983): Das Kochbuch der Philip­pi­ne Welser. Kommentar, Transkrip­ti­on und Glossar von Gerold Hayer. Leipzig: Edition.

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Klöpfel, Herta (1919): Koch-Notes. Gera. Sammlung Wolańska und Köller G 03. Digitale Fassung verfügbar unter https://digisam.ub.uni-giessen.de/ubg-ihd-hk/content/titleinfo/5471931.

Koch, Marga­re­tha (1900): [Kochbuch] Hotel & Ostseebad Stein­berg­haff. Sammlung Wolańska und Köller GA 01. Digitale Fassung verfügbar unter https://digisam.ub.uni-giessen.de/ubg-ihd-hk/content/titleinfo/5472815.

Krämer, Frau (1891–1953): [Kochbuch]. Sammlung Wolańska und Köller G 07.

Kretz, Helene (1856–1909): [Kochbuch]. Museum Europäi­scher Kulturen zu Berlin 62 H 157.

Lemmer, Manfred (Hg.) (1981): Anna Justina Marga­re­tha Lindhei­me­rin. Das Kochbuch von Goethes Großmutter. Faksimile. Heraus­ge­ge­ben von Manfred Lemmer. Kommentar & Trans­kri­ti­on von Eva Beck. Frankfurt am Main: Insel.

Liepsch, Evelyn / Beck, Eva (2018): ˃Sardellen Salat sehr gut˂. Kochbü­cher, Rezepte und Menükar­ten aus dem Goethe- und Schiller-Archiv. Ein Ausstel­lungs­buch, heraus­ge­ge­ben von Evelyn Liepsch, mit einer Einfüh­rung von Eva Beck. Goethe- und Schil­ler­ar­chiv. Band 4. Wiesbaden: Weimarer Verlags­ge­sell­schaft in der Verlags­haus Römerweg GmbH.

Manz, Lotta (1921 ff.): Koch=Buch. Sammlung Wolańska und Köller G 02. Ditigale Fassung verfügbar unter https://digisam.ub.uni-giessen.de/ubg-ihd-hk/content/titleinfo/5471769.

Mayer, Mina (1896): Mein Kochbuch. Sammlung Wolańska und Köller G 01. Digitale Fassung verfügbar unter https://digisam.ub.uni-giessen.de/ubg-ihd-hk/content/titleinfo/5471378.

Müns, Wolfgang (Hg.) (1990): Das handschrift­li­che Kochbuch der Lisette Reuter von 1827: Aus Haushalt und Küche der Familie Reuter in Staven­ha­gen; Transkrip­ti­on, Glossar, Kommentar und Register von Wolfgang Müns. Rostock: Hinstorff.

Pichler, Philomena (1861): Koch=Buch geschrie­ben für meine liebe Schwester Philomena Pichler 1861. Zum Nahmens­fes­te. Sammlung Wolańska und Köller. G 05. Digitale Fassung abrufbar unter https://digisam.ub.uni-giessen.de/ubg-ihd-hk/content/titleinfo/5472243.

Riedel, Marie (1916 ff.): Kochbuch. Tinz. Sammlung Wolańska und Köller G 04. Digitale Fassung verfügbar unter https://digisam.ub.uni-giessen.de/ubg-ihd-hk/content/titleinfo/5472081.

Sander, Marie (1880–1886): Poesie­al­bum für Marie. Landes-Archiv Sachsen Anhalt Werni­ge­ro­de E 188, Nr. 38.

Schneider, Lina (1920): [Backbuch]. Neustadt a. d. Hdt. Sammlung Wolańska und Köller S 03. Digitale Fassung verfügbar unter https://digisam.ub.uni-giessen.de/ubg-ihd-hk/content/titleinfo/5469082.

Sollner, Gerd (Hg.) (2013): Grimms Kochbuch. Märchen­haf­te Rezepte aus dem Hause Grimm. Reprint. Leipzig: Reprint-Verlag.

Stopp, Hugo (Hg.) (1980): Das Kochbuch der Sabina Welserin. Heidel­berg: Winter.

Straub, Theresia (1905): Koch-Recepte für Theresia Straub. Urach. Sammlung Wolańska und Köller GA 02. Digitale Fassung verfügbar unter https://digisam.ub.uni-giessen.de/ubg-ihd-hk/content/titleinfo/5472981.

Wolańska, Anna (2007): Vom persön­li­chen Rezept­heft zum Kommerz­pro­dukt. Geschenk­koch­bü­cher im Wandel der Zeit. In: Mittei­lun­gen des Inter­na­tio­na­len Arbeits­krei­ses für Kultur­for­schung des Essens. Dr. Rainer Wild-Stiftung. Heft 14, 62–64.

Wolańska-Köller, Anna (2010): Funktio­na­ler Textauf­bau und sprach­li­che Mittel in Kochre­zep­ten des 19. und frühen 20. Jahrhun­derts. Stuttgart: Ibidem. 

Digita­li­sa­te meiner Kochbuch­samm­lung: www.kochbuchbibliothek.de, abgerufen am 24.08.2025.

Eintrag im DWDS: „Kochre­zept“, bereit­ge­stellt durch das Digitale Wörter­buch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Kochrezept>, abgerufen am 24.08.2025.

Geburts­tags­koch­re­zep­te für Waldek: www.dlawaldka.eu, abgerufen am 24.08.2025.

Hochzeitsportal24: https://www.hochzeitsportal24.de/ratgeber/hochzeitsgeschenk-kochbuch/, abgerufen am 24.08.2025.

  1. Zwar beginnt die deutsch­spra­chi­ge (Koch)Rezeptüberlieferung mit dem sog. „Buoch von guoter spîse“ (Hajek 1994) bereits um die Mitte des 14. Jahrhun­derts. Die frühen Rezept­hand­schrif­ten sind aber entweder anonym überlie­fert oder auf männliche Autoren zurück­zu­füh­ren. ↩︎
  2. Bereits bei dem Kochbuch der Philip­pi­ne Welser, das offenbar auf einer langjäh­ri­gen Erfahrung basierte, vermutet Hayer (1983: 11), dass es nicht von der etwa 18-jährigen Philip­pi­ne selbst, sondern für sie im Auftrag ihrer Mutter erstellt wurde. ↩︎
  3. Auch August von Goethe, der Sohn von Johann Wolfgang von Goethe, besaß eine Sammlung von Kochre­zep­ten (GSA 37/XXII), die er in einem blauen Kuvert aufbe­wahr­te (s. Liepsch/Beck 2018: 56–60). ↩︎
  4. Die Kochbü­cher von Anna Justina Marga­re­tha Lindhei­me­rin (GSA 37/1), Erdmuthe Dorothea Nietzsche (GSA 100/216), Ottilie von Goethe (GSA 40/XXXI) und Claudine von Arnim (GSA 03/859) werden im Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar aufbe­wahrt. Von Henriette Dorothea Grimm werden im Stadt­ar­chiv Marburg zwei Kochbü­cher archi­viert: „Kochbuch für die junge Frau Dorothea Grimm, Jena 1847“ (Grimm 1821–1847) (HStAM, 340 Grimm, P 114) und „Kochbuch“ mit dem handschrift­li­chen Vermerk von Jacob Grimm „Aller­hand­sbuch für Dortchen Wild den 31. März 1821…“ (Grimm 1821) (HStAM, 340 Grimm, P 129). ↩︎
  5. Auf diese Praxis weist auch Müns (1990) hin. Das von ihm edierte handschrift­li­che Kochbuch der Lisette Reuter von 1827 enthält mehrere Kochre­zep­te, die von verschie­de­nen Händen stammen, aller­dings ohne Herkunfts­ver­mer­ke. Laut Münsʾ Recherche wurden die betref­fen­den Kochre­zep­te auf Wunsch von Lisette Reuter aufge­schrie­ben. (vgl. Müns 1990: 13 im Nachwort). ↩︎
  6. Nach Angermann (1971: 16) lassen sich die ältesten Stamm­bü­cher bis in etwa 1500 zurück­ver­fol­gen. Die zunächst von männli­chen Adeligen geübte Praxis des Stamm­buch­füh­rens wurde später von Studenten (vgl. ebd.: 16) übernom­men. „Ebenso intensiv wie von Studenten, wurde gegen Ende des 18. Jahrhun­derts auch von jungen Mädchen aus den bürger­li­chen Schichten die Stamm­buch­sit­te gepflegt“ (ebd.: 18 mit Verweis auf Hesse-Freilinghaus (1940: 72). Ende des 19. Jahrhun­derts besaßen auch Mädchen auf dem Lande ihr eigenes Poesie­al­bum (vgl. Angermann 1871: 21). Nach 1850 kam das Poesie­al­bum im Querfor­mat in Mode. (s. ebd.: 23 und Göhmann-Lehmann 1994: 8). ↩︎

Anna Wolańska
Dr. Anna Wolańska ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas, wo sie die kartographische Bearbeitung im Projekt Regionalsprache.de leitet. Ihre Interessengebiete liegen neben der Sprachgeographie des Kaschubischen im Bereich der (historischen) Textlinguistik und der digitalen Korpuserstellung. Sie ist Kochbuchforscherin und -sammlerin.