Mit einer neuen Dialektstrategie zielt Baden-Württemberg seit 2025 darauf ab, die Dialekte im eigenen Bundesland zu bewahren, zu fördern und zu stärken. In diesem Zusammenhang veranstaltete der Dachverband der Dialekte Baden-Württemberg die Mundart-Messe DIALECTA_26, die vom 26.–28. Juni 2026 im Forum des Hans-Furler-Gymnasiums in Oberkirch stattfand. Dazu eingeladen war auch das Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas (DSA), das mit einem Informationsstand und zahlreichen Mitmach-Angeboten vertreten war.
Gerahmt von einem bunten und reichhaltigen Bühnenprogramm mit Tanz- und Musikbeiträgen und Lesungen sowie verschiedenen Ausstellungen und Workshops verwandelte sich das Forum in eine Messe, die die Dialekte in Baden-Württemberg und in angrenzenden Gebieten wie z. B. im Elsass oder in der Pfalz in den Fokus nahm. Zahlreiche Aussteller aus Wissenschaft, Vereinen, Verlagen und Politik hielten ein vielfältiges Angebot an Informationen, Materialien und Aktivitäten bereit.
Am Stand des DSA standen 150 Jahre sprachwissenschaftliche Forschung und deren Transfer im Mittelpunkt. Ziel war es, den DSA und seine Forschung nach Oberkirch zu bringen und den Gästen näher zu bringen. Dies wurde durch verschiedene Bereiche am Stand möglich.

Ein Film führte die Gäste auf anschauliche Weise durch den Forschungsbau und bot einen Einblick in seine Labore, Archive und Arbeitsbereiche. An einer Computer-Station konnten die Besucher*innen das Citizen Science-Tool Wenkerbogen-App ausprobieren und Forschungsergebnisse aus dem REDE-Projekt kennenlernen. Dazu wurden die Spektrumsanalysen im REDE-SprachGIS sowie digitale Sprachkarten vorgeführt. Auch weitere Online-Plattformen, wie z. B. Regionalakzente in Deutschland oder Sprachvariation@Schule, wurden dem Publikum präsentiert. Von besonderem Interesse waren die für die Heimatorte der Besucher*innen verfügbaren Wenkerbögen aus dem 19. Jahrhundert, anhand derer sie ihre eigene Dialektkompetenz testen konnten, was vielfältige Anlässe für Gespräche über die Dynamik der Dialekte in Baden-Württemberg bot. Dabei wurden immer wieder aktuelle Forschungsergebnisse einbezogen, die mithilfe kombinierbarer Pappwürfel oder eines 3D-Puzzles zur Dialektintensität in Deutschland anschaulich erlebbar wurden. Ergänzt wurde das Angebot durch Informationsposter mit Hintergrundinformationen.
Vorgestellt wurde auch die neu veröffentlichte Mitmach-App unduso. In der App können die Nutzer*innen Fragen zu ihrer Sprachverwendung beantworten und eigene Sprachaufnahmen vornehmen. Die auf diese Weise gesammelten Sprachaufnahmen dienen der Erforschung der Dynamik der Dialekte, die seit 150 Jahren kontinuierlich vom DSA dokumentiert und beschrieben wird.
An der Station „Ihre Frage an die Wissenschaft“ wurde aktiv der Dialog mit den Bürger*innen gesucht. Ihre Fragen reichten von „Wann sterben die Dialekte voraussichtlich aus?“ über „Wie viele Dialekte gibt es?“ zu „Warum ist der Dialekt so tief mit Emotionen verbunden?“. Auch das Thema Dialekt in der Schule wurde angesprochen. Zudem regte eine Abstimmung zur Frage „Sprechen Sie in Ihrer Familie Dialekt?“ zu Diskussionen an. Für viele Teilnehmer*innen der Messe war es selbstverständlich, in der Familie Dialekt zu sprechen. Einzelne Personen gaben an, keinen Dialekt in der Familie zu sprechen. Gesprächsanlässe boten auch die Buttons, die am Stand auf Wunsch hergestellt wurden. Diese trugen neben regionalen Dialektwörtern wie „Käpsele“ auch Selbstbezeichnungen wie „Mundartprofi“ oder „Sprachakrobatin“. An einem Glücksrad konnten verschiedene Dialektbegriffe ins Standarddeutsche übersetzt werden. Hier wurde deutlich, dass bestimmte Wörter nicht unbedingt dialektal markiert sind: Bei der Übersetzung von „ebbes“ (standarddeutsch „etwas“) wurde häufiger gesagt „Naja, ebbes halt!“.

Höhepunkt der Mundart-Messe war die Podiumsdiskussion zum Thema „Dialekt – kann das weg?“ am Samstagabend. Unter der Moderation der Autorin Sandhya Hasswani diskutierten der Autor Markus Manfred Jung, die Schauspielerin und Kulturschaffende Bénédicte Keck, der Schauspieler, Comedian und Content-Creator Lukas ‚Cossu‘ Staier, der Leiter des Badischen Wörterbuchs Dr. Tobias Streck sowie der Direktor des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas Prof. Dr. Alfred Lameli über die Bedeutung und Zukunft des Dialekts. Besonders deutlich wurde, wie aktiv und lebendig die Dialektszene in Baden-Württemberg und darüber hinaus ist, nicht zuletzt dadurch, dass die Diskussion zum größten Teil im Dialekt stattfand.
Mit dem überaus vielseitigen Programm konnte der Dachverband der Dialekte Baden-Württemberg trotz historischer Hitze zahlreiche Besucher*innen nach Oberkirch locken und ermöglichte damit einen intensiven Austausch zwischen Mundartsprecher*innen, Kulturschaffenden, Vereinen und Wissenschaft, von dem alle in gleicher Weise profitierten.
Diesen Beitrag zitieren als
Frank, Marina / Krause, Mareike / Wissenbach, Ella. 2026. „Mundart verbindet“ – Das Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas zu Gast auf der Mundartmesse DIALECTA_26 in Oberkirch. In: Sprachspuren: Berichte aus dem Deutschen Sprachatlas 6(8).

